Nach Bankraub sollen Kunden der Sparkasse Harburg-Buxtehude in Zukunft selbst für ihre Schließfächer haften

Es war ein filmreifer Bankraub, die Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden. Am 5. und 6. Juli 2019 räumten mehrere Männer über 80 Schließfächer der Buchholzer Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude leer. Die geschädigten Kunden schlossen später einen Vergleich mit der Bank, haben also vermutlich nicht den vollen Schaden ersetzt bekommen.

https://www.welt.de/vermischtes/article197902973/Ueberfall-auf-Sparkasse-in-Harburg-Buxtehude-Diebe-raeumen-82-Schliessfaecher-leer.html

Aktuell tritt die Sparkasse Harburg-Buxtehude an ihre Schließfachkunden auch an anderen Standorten heran. Die Kunden werden aufgefordert, einer Vertragsänderung zuzustimmen, sonst würde das Schließfach gekündigt werden.

Was soll sich ändern?

Statt sicherheitstechnisch aufzurüsten, um den Verlust von Kundeneigentum in den Bankschließfächern in Zukunft zu vermeiden, geht die Sparkasse einen anderen Weg. Künftig sollen die Kunden einfach selber für den Verlust haften. Die Bank haftet nur noch bei grober Fahrlässigkeit – sprich wenn sie die Tür offen lässt.

Dem Kunden wird aber natürlich ein Ausweg aufgezeigt – für ca. 30 € extra im Jahr kann er eine Versicherung für den Schließfachinhalt abschließen. Vermutlich verdient die Bank auch an diesem Abschluss noch einmal, jedenfalls wird die Versicherung von den Mitarbeiter „wärmstens“ empfohlen. Ein gutes Geschäft für Bank und Versicherung, schließlich werden Schließfächer meist über Jahrzehnte genutzt.

Der „richtige“ Weg wäre natürlich eigentlich, dass die Sparkasse selbst sämtliche Schließfachinhalte versichert und gegebenenfalls die Preise anhebt, wie sie es vielleicht auch bei einer Modernisierung der Schließfachanlage täte. Dies wäre auf den einzelnen Kunden umgelegt höchstwahrscheinlich auch billiger.

Wofür ein Schließfach?

Viele Kunden lagern in den Schließfächern nicht nur Wertgegenstände und Bargeld, sondern auch wichtige Dokumente und Erinnerungsstücke. Grundsätzlich könnten sie diese Gegenstände auch in der eigenen Wohnung verwahren und in vielen Fällen würde die Hausratversicherung einen Verlust durch z.B. Brand oder Diebstahl ersetzen.

Den Kunden geht es aber nicht um Ersatz, sondern um die Sicherheit der Gegenstände. Den emotionalen Wert des Eherings der Urgroßmutter oder von alten Familienfotos ersetzt keine Versicherung. Daher verspielt die Sparkasse Harburg-Buxtehude gerade das Vertrauen ihrer Kunden.

Hausratversicherung fragen

Trotzdem ist ein Diebstahl aus dem Bankschließfach auch bei nicht mehr zeitgemäßen Sicherheitsstandards wesentlich unwahrscheinlicher als ein Verlust bei Lagerung in den eigenen vier Wänden.

Wer eine Hausratversicherung hat, kann allerdings anfragen, ob das Bankschließfach nicht dort bereits mitversichert ist bzw. ob eine Mitversicherung möglich ist und was sie gegebenenfalls kostet. Umfangreichere Hausratsversicherungen decken nämlich häufig das Bankschließfach bis zu einem gewissen Betrag mit ab – auch der Versicherung ist es schließlich lieber, wenn Sie weniger Wertgegenstände Zuhause lagern.

Eine Anfrage bei der Versicherung kann sich schon deshalb lohnen, weil es mitunter bei einer Erneuerung des Vertrages mehr Leistung für weniger Geld gibt als mit dem Altvertrag.

Fazit

Bankschließfächer sind bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude so unsicher, dass man für die Sicherheit lieber nicht haften möchte. Wer die Sicherheit jedenfalls finanziell dennoch haben möchte, muss sich versichern. Das geht entweder über das Angebot der Sparkasse oder häufig günstiger über die bestehende Hausratversicherung, soweit das Schließfach dort nicht schon jetzt mitversichert ist.

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