Wann darf ich Wespen töten – Bußgeldgefahr?

In diesem Jahr gibt es eine auffallend große Wespenpopulation und so haben die Medien auch in diesem Jahr wieder die Bußgeld-fürs-Wespentöten-Sau durchs Dorf getrieben. Fakt ist, dass Bußgelder im Bundesnaturschutzgesetz vorgesehen sind, allerdings allgemein für das Töten wildlebender Tiere und nicht nur für Wespen.Für das Töten einer nicht besonders geschützten Wespenart – also einer „normalen“ Wespe – wären bis zu 10.000 € Bußgeld theoretisch zulässig. Bei besonders geschützten Arten, wie z.B. Hornissen, dürfen es bis zu 50.000 € sein. In der Praxis wird ein Bußgeld in dieser Höhe aber nur in krassen Ausnahmefällen verhängt. Wer sich dabei erwischen lässt, wie er aus Spaß an der Freude oder für ein Youtube-Video ein Hornissennest anzündet, der hätte es nicht anders verdient.

Ohne Kläger kein Richter

Allerdings muss die zuständige Behörde einen Verstoß auch erstmal mitbekommen, ehe sie ihn verfolgen kann. Das passiert in der Regel nur, wenn ein Zeuge den Verstoß zur Anzeige bringt. Wer so blöd ist, seine Gesetzesverstöße bei Youtube zu veröffentlichen, sollte sich natürlich nicht wundern, wenn eine entsprechende Anzeige erstattet wird.

Tatsächliche Bußgeldhöhe

Angenommen man ist erwischt worden, wie man grundlos eine Wespe getötet hat. Was passiert dann? Die Behörde wird wegen der Geringfügigkeit des Verstoßes entweder lediglich eine Verwarnung aussprechen oder allenfalls ein Bußgeld im zweistelligen Bereich aussprechen. Anders sieht es natürlich bei einem schweren Verstoß aus, also insbesondere, wenn Nester mutwillig zerstört werden. Eine besonders grausame und verabscheuungswürdige Methode ist das unfachmännische Besprühen eines Nests mit einem Sprühmittel gegen Insekten. Die getroffenen Tiere sterben nicht sofort, sondern winden sich verletzt, bis sie schließlich verenden. Derartige Sprühmittel sind auch für Menschen giftig, werden teilweise eingeatmet und haben in der Nähe von Lebensmitteln natürlich erst Recht nichts verloren. Rückstände schädigen außerdem auch andere Lebewesen, wie Bienen, Hummeln, etc.

Verjährung

Beim Töten von „normalen“ Wespen, also nicht besonders geschützte Arten handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die nach zwei Jahren verjährt. Bei einer besonders geschützten Art, wie z.B. der Hornisse wären es sogar drei Jahre. Wer streng geschützte Arten schädigt, mach sich sogar strafbar (bis zu 5 Jahre Gefängnis oder Geldstrafe). Ich weiß allerdings nicht, ob es unter den heimischen Wespen derart streng geschützte Arten gibt. Die Straftaten nach dem Bundesnaturschutzgesetz verjähren nach 5 Jahren, soweit sie mir einer Höchststrafe von mehr als einem Jahr bestraft werden könnten.

Wann darf ich Wespen töten?

Nicht besonders geschützte Arten dürfen zwar grundsätzlich nicht getötet werden § 39 Abs. 1 BNatschG schränkt dies jedoch ein. Danach dürfen „normale Wespen“ nicht ohne „vernünftigen Grund“ getötet werden. Was ein vernünftiger Grund ist, darüber kann man sich im Einzelfall sicher trefflich streiten.  Nach meiner Einschätzung dürfte das Vertreiben oder sogar Töten von Wespen z.B. in einer Bäckerei oder einem anderen Lebensmittelbetrieb aber zulässig sein, da andernfalls der Geschäftsbetrieb erheblich beeinträchtigt wird. Lebensmittel, die mit Wespenkot und Fraßstellen überzogen sind, sind potentiell ekelerregend und dürften daher nicht mehr verkauft werden. Ich persönlich würde den Amerikaner mit Fraßlöchern im Zuckerguss jedenfalls nicht mehr kaufen wollen. Geht es um ganze Nester, sollte allerdings immer die zuständige Behörde und ein Fachmann hinzugezogen werden. Das Töten bzw. Zerstören sollte immer das letzte Mittel sein, besser ist es immer, die Wespen abzuschrecken oder zu vertreiben.

Wie vertreibe ich einzelne Wespen?

Wichtig ist es, früh anzufangen. So wie Bienen ihre Kolleginnen zu ertragreichen Blüten lotsen, machen es auch Wespen mit einer Futterquelle (auch wenn die Kommunikation anders als bei den Bienen erfolgt und noch nicht näher erforscht ist). Sie schicken sozusagen Kundschafter. Vertreibt man fortwährend die wenigen Wespen, die eine Futterquelle entdecken, bleibt die Anzahl der Wespen überschaubar. Vorsorglich aufgestellte Räuchermittel (Räucherkerzen oder Kaffeepulver) oder Gewürznelken in Zitrone gesteckt, können eine gewisse abschreckende Wirkung haben. Wissen die Wespen aber erstmal, dass an einer Stelle viel zu holen ist, haben diese Hausmittelchen praktisch keinen Nutzen mehr.

Bei einem moderaten Wespenaufkommen kann auch eine ablenkende Fütterung helfen. Dafür einfach etwas Leckeres etliche Meter abseits hinstellen, damit die Wespen sich darauf „einfliegen“ und dort beschäftigt sind. Dauerhaft erhöht man damit allerdings die Wespenpopulation.

Hat man schon mehr Wespen beim Essen oder an einem Verkaufsstand, muss man sie aktiv vertreiben. Aus eigener Erfahrung halte ich den Rat, nicht nach Wespen zu schlagen, weil sie sonst aggressiv werden, für falsch. Wenn man Wespen in der Luft trifft, oder neben ihnen laut in die Hände klatscht, schwirren sie zwar kurz desorientiert herum, verziehen sich dann aber meistens. Ein gutes Mittel ist auch eine Sprühflasche mit reinem Wasser. Wenn man die Wespen damit im Flug trifft, wird ihre Flugfähigkeit beeinträchtigt und das mögen sie nicht. Wespen sind relativ robust und überstehen einen Absturz in der Regel weitgehend unbeschadet.

Wie töte ich einzelne Wespen?

Als letztes Mittel kann man Wespen auch erschlagen. Man sollte darauf achten, dass man verletzte Wespen schnell tötet, damit sie nicht leiden müssen. Eine gute Methode ist das „Klatschen“. Man klatscht dabei so in die Hände, dass man die Wespe erwischt. Trifft man richtig, ist die Wespe mindestens verletzt und stürzt ab. Triff man sie nicht oder nicht richtig, wird sie in der Regel das Weite suchen. Wichtig ist es, die Hände sofort wieder auseinander zu nehmen, damit man nicht gestochen wird.

Möglich sind natürlich auch Fliegenklatschen, Zeitschriften oder der Schuh.

Angst vor Wespen?

Die Angst vor Wespen ist in der Regel unberechtigt. Wespen sind unterschiedlich zudringlich, stechen aber in der Regel nicht grundlos. Wer nicht allergisch auf Wespenstiche reagiert, braucht also lediglich darauf achten, dass er nicht zu dicht an ein Nest herangeht und einzelne Wespen nicht in den Mund nimmt oder einklemmt. Wespen sind zudem ausgesprochen nützliche Tiere, die auch eine Menge andere Insekten fressen. Hornissen sind zwar größer und hören sich bedrohlich an, sind aber noch friedfertiger als Wespen, interessieren sich in aller Regel nicht für menschliches Essen und sind auch besser zu sehen.

Kundengespräch

Gerade an Verkaufsständen gibt es immer wieder Kunden, die einen – sensibilisiert durch die Medienberichte – mehr oder weniger wohlmeinend darüber informieren, dass das Töten der Wespen verboten ist und mit hohen Geldbußen bestraft wird. Auch aus diesem Grund ist das Vertreiben der Wespen vorzugswürdig. Letztlich kann man auf die geringe Bedeutung der einzelnen Wespe für das Volk hinweisen und erklären, dass es die meisten Kunden abschrecken würde, wenn hunderte Wespen um den Verkaufsstand schwirren. Normalerweise trifft man dann auf Verständnis.

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