Das OLG Düsseldorf , 20 U 83/21 hat entschieden, dass der fliegende Gerichtsstand im Wettbewerbsrecht – wie es auch der Wortlaut des neuen § 14 Abs. 2 UWG vorsieht – für alle Onlineverstöße gilt. Umstritten ist nämlich, ob der fliegende Gerichtsstand in Anlehnung an § 13 Abs. 4 UWG nur für Verstöße gegen Informations- und Kennzeichnungspflichten im Internet und DSGVO-Verstöße abgeschafft werden sollte. Das OLG Düsseldorf argumentiert hier richtigerweise, dass der eindeutige Wortlaut des § 14 Abs. 2 UWG und die Gesetzgebungsmaterialen, insbesondere die Nichtumsetzung eines Vorschlages im Gesetzgebungsverfahren, die beiden Normen anzugleichen, eine analoge Anwendung bzw. Auslegung gegen den Wortlaut ausschließen.

Die Gegenmeinung hat sich mir noch nie erschlossen und war wohl mehr dem Wunsch eines Teils der Anwaltschaft und vielleicht auch einiger im Wettbewerbsrecht „wichtiger“ Gerichte geschuldet, das Forum-Shopping im Wettbewerbsrecht fortsetzen zu können. Schließlich profitieren davon besonders die Wettbewerbskanzleien mit Sitz bei hoch frequentierten Gerichten.

In Anbetracht des digitalen Wandels halte ich es für durchaus verschmerzbar, dass man als Anwalt nicht mehr überwiegend vor dem „Heimatgericht“ klagen und die Gegenseite so zusätzlich mit weiten Anreisen gängeln kann. Viele Verfahren im Wettbewerbsrecht werden sinnvollerweise im schriftlichen Verfahren geführt, da es allein auf Rechtsfragen ankommt und die Beweissituation eher unkritisch und dokumentengestützt ist. Außerdem werden – wenn auch leider nicht von allen Gerichten/Richtern zunehmend Videoteilnahmen an den Verhandlungen zugelassen, so dass lange Reisezeiten und die nicht unerheblichen Reisekosten entfallen und die Prozesse so insgesamt günstiger werden.

Man kann gegen die Entscheidung des Gesetzgebers natürlich einwenden, dass es durch den fliegenden Gerichtsstand eine höhere fachliche Spezialisierung bei einzelnen Gerichten gibt. Das ist sicher richtig, zugleich wurden so aber wenige Gerichte „meinungsgebend“, was der dynamischen Entwicklung der Rechtsprechung nicht unbedingt zuträglich war. Ohne fliegenden Gerichtsstand müssen sich die Gerichte mit mehr unterschiedlichen Meinungen anderer Gerichte auseinandersetzen, und können weniger in ihrer eigenen Rechtsprechungsblase agieren. Eine frische Sichtweise ist mitunter nicht verkehrt und auch Richter an den bislang weniger frequentierten Gerichten haben gute Argumente und sind in der Regel nicht blöd.

Anwälte setzen bekanntlich gerne und häufig Fristen. Man möchte nicht ewig warten, sondern geht gegebenenfalls in die nächste Eskalationsstufe, wenn die Frist nicht eingehalten wird. Nun sollen Anwälte sich untereinander „kollegial“ verhalten. Dies wird in der Praxis so gelebt, dass man sich Fristverlängerungen in der Regel gewährt, solange damit natürlich kein Rechtsverlust für den Mandanten verbunden ist. Jeder ist schließlich mal überlastet, krank oder im Urlaub und insofern ist die gegenseitige Rücksichtnahme unter Anwälten eine gute und wichtige Sache.

In manchen Konstellationen ist jedoch schon die weitere Verzögerung der Sache eine Beeinträchtigung für den Mandanten. Dies gilt insbesondere bei Schutzrechts- und Wettbewerbsrechtsverletzungen. Auch hier verhält man sich trotzdem in der Regel „kollegial“ und gewährt zumindest eine kurze Fristverlängerung – so lange damit beispielsweise der einstweilige Rechtsschutz nicht gefährdet wird.

Es gibt allerdings Anwälte, bei denen man stark den Eindruck hat, dass sie die „Kollegialität“ anderer Anwälte bewusst ausnutzen, um beispielsweise ihrem Mandanten einen möglichst langen Abverkauf rechtswidriger Produkte zu ermöglichen. Meist setzt sich diese Verzögerungstaktik auch noch im gerichtlichen Verfahren fort.

Kanzleien, die mir dahingehend negativ aufgefallen sind, landen auf meiner persönlichen Blacklist. Ich gewähre ihnen – nach Absprache mit dem Mandanten – keine Fristverlängerungen und bitte auch das Gericht um Prüfung der Gründe für Fristverlängerungs- und Verlegungsanträge.

Mitunter hat man das Gefühl, dass der Ehrliche der Dumme ist, wenn es um Angebote auf Verkaufsplattformen geht. Während man selbst sich penibel an das hier geltende Recht hält, um Abmahnungen, Bußgelder und ähnliche unschöne Ereignisse zu vermeiden, verkauft die Konkurrenz aus dem Ausland völlig schmerzbefreit identische Produkte mit den tollsten – und in aller Regel falschen oder zumindest unzulässigen – Werbeversprechen. Dadurch verkauft sich das eigene Produkt erheblich schlechter, man hat also einen unmittelbaren Nachteil und ein echtes Interesse dagegen vorzugehen.

Häufige Verstöße sind z.B. unzulässige gesundheitsbezogene Angaben oder Wirkversprechen (bei Lebensmitteln oder Futtermitteln). Auch Produkte, die jedenfalls in der beworbenen Form gar nicht auf dem Markt sein dürften oder nicht ohne besondere Pflichtinformationen verkauft werden dürfen, werden immer wieder in unzulässiger Weise angeboten.

Leider ist das Vorgehen gegen im EU-Ausland sitzende Firmen steinig, langsam und teuer – insbesondere wenn man es letztlich mit einer Briefkastenfirma auf Zypern zu tun hat. Sitzt der Konkurrent im nicht EU-Ausland, insbesondere in China, kann man es auf diesem Wege in der Regel gleich bleiben lassen.

Auch wenn ein Wettbewerber im Inland sitzt, scheuen viele Unternehmen die direkte Konfrontation, denn häufig kommt es dann zu Gegenabmahnungen oder noch schlimmer zu schwer nachweisbaren Negativkampagnen, z.B. mit gekauften Negativbewertungen. Je unseriöser die andere Seite ist, desto unseriöser fällt in der Regel die Reaktion aus…

Meldungen an die Verkaufsplattformen

Ein Mittel dagegen, kann die Meldung der Wettbewerbsverstöße an die Verkaufsplattform sein, mit dem Ziel, dass das Angebot oder im Wiederholungsfall vielleicht sogar der Account gelöscht/gesperrt wird. Der große Vorteil ist, dass es dafür egal ist, in welchem Land der Missetäter sitzt. Die Verkaufsplattformen haften nämlich wettbewerbsrechtlich als Mittäter, wenn sie trotz Kenntnis nichts gegen einen Wettbewerbsverstoß auf der Plattform unternehmen.

Mit einer Meldung verschafft man der Verkaufsplattform Kenntnis. Entweder löscht die Plattform das Angebot, oder man hat einen Unterlassungsanspruch gegen die Plattform, die wesentlich greifbarer ist, als der Wettbewerber im Ausland.

In der Regel erfolgt eine Löschung innerhalb von maximal 1-2 Wochen.

Allerdings besteht teilweise die Befürchtung, dass die Verkaufsplattform derartige Meldungen als Belästigung betrachtet und die eigenen Verkaufsaktivitäten gegebenenfalls sanktioniert – z.B. durch „Überprüfungen“ von Angeboten, Benachteiligung im Ranking oder Accountsperrung. Inwieweit solche Befürchtungen berechtigt sind, lässt sich schwer beurteilen, es werden aber immer wieder Fälle willkürlich anmutender Maßnahmen durch Plattformen öffentlich, die dieses Risiko zumindest realistisch erscheinen lassen.

Anonyme anwaltliche Meldung – mein Angebot

Die Lösung für dieses Dilemma kann die Meldung durch einen Anwalt sein, ohne dass Sie als Auftraggeber/Mandant benannt werden. Sie haben einmal den Vorteil der Anonymität sowohl dem Wettbewerber, als auch der Plattform gegenüber. Zum Anderen hat ein anwaltliches Schreiben in den Augen der Plattform mehr Gewicht und gewährleistet eine zügige Bearbeitung. Der Anwalt wird außerdem nur tatsächliche Wettbewerbsverstöße melden und diese so klar darstellen und begründen, dass die Plattform zum Handeln gezwungen ist und Sie auf der anderen Seite nicht in die Gefahr geraten, wegen einer unberechtigten Meldung belangt zu werden.

Sollte die Plattform nicht reagieren, kann man sich noch immer überlegen, ob man dann das Risiko eines Vorgehens gegen die Plattform eingehen möchte.

Dieser Service wird von Kollegen nur selten angeboten, wohl auch, weil sich mit Abmahnungen mehr Geld verdienen lässt. Da bei einer berechtigten Abmahnung das Honorar nach Gebührenwert berechnet wird und von der Gegenseite zu erstatten ist, geht der eigene Mandant nur ein geringes Risiko ein – dies hat in der Vergangenheit teilweise zu einer gewissen Freibeutermentalität unter Anwälten geführt. Eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung bringt schnell einen vierstelligen Betrag pro Fall ein.

Ich nehme entsprechende Meldungen auf Basis eines minutengenau abgerechneten Zeithonorars vor. Sie entscheiden, welche Vorgaben Sie machen. So können Sie z.B. ein Budget festlege, eine einmalige „Aufräumaktion“ oder eine kontinuierliche Überwachung bestimmter Produkte oder Kategorien beauftragen. Genauso können Sie die Recherche und Auswahl der zu meldenden Angebote selbst vornehmen oder mir überlassen. In jedem Fall werde ich aber jeden Wettbewerbsverstoß vor einer Meldung prüfen, ob es sich wirklich um einen Verstoß handelt.

Mitunter amortisiert sich diese Investition schnell, da der eigene Marktanteil und damit die Verkaufszahlen durch die Ausschaltung der wettbewerbswidrig handelnden Konkurrenz merklich steigt. Nach einem gewissen Initialaufwand von häufig wenigen Stunden, ist der Aufwand der kontinuierlichen „Nachmeldung“ neuer Verletzer dann vergleichsweise gering.

Sie erreichen mich persönlich per E-Mail unter wenck@rechtsanwalt-wenck.de oder telefonisch unter 015156068110.

Low Carb-Diäten bzw. eine Kolenhydratreduzierte Ernährungsweise sind seit etlichen Jahren aus keinem Lifestylemagazin wegzudenken. Entsprechend ist auch die Lebensmittelbranche fleißig dabei, Produkte gezielt an Kunden mit entsprechenden Ernährungsabsichten zu vermarkten. Meist geschieht das mit dem plakativen „Low Carb“.

Low Carb weist dabei in aller Regel auf einen – häufig von Natur aus – geringen Kohlenhydratgehalt des Produktes hin. Genau dies dürfte jedoch unzulässig sein, denn der Hinweis auf bestimmte Nährwerteigenschaften eines Lebensmittels ist nach der Health-Claims-Verordnung VO 1924/2006 nur erlaubt, wenn die entsprechende Aussage zugelassen ist und die Verwendungsbestimmungen eingehalten werden.

Low Carb als nährwertbezogene Angabe

Die Definition gemäß der Health-Claims-Verordnung für nährwertbezogene Angaben lautet wie folgt:

„nährwertbezogene Angabe“ jede Angabe, mit der erklärt, suggeriert oder auch nur mittelbar zum Ausdruck gebracht wird, dass ein Lebensmittel besondere positive Nährwerteigenschaften besitzt, und zwar aufgrund

b) der Nährstoffe oder anderen Substanzen, die es

ii) in verminderter oder erhöhter Menge enthält

Es dürfte jedem einleuchten, dass „Low Carb“ für „wenig Kolenhydrate“ steht. Kohlenhydrate sind ein Nährstoff und es wird mit dessen geringem Gehalt geworben. Damit wird zugleich suggeriert, dass das Produkt gegenüber vergleichbaren Produkten ohne den Hinweis einen Vorteil bietet. Es bestehen daher aus meiner Sicht wenig Zweifel daran, dass es sich um eine nährwertbezogene Angabe handelt. Wer sich mit der sehr gekünstelten Gegenmeinung auseinandersetzen möchte, findet dazu Ausführungen des gerichtlich unterlegenen Unternehmens in den unten verlinkten Urteilen.

Keine Zulassung für Low Carb – oder doch?

Im Anhang der Health-Claims-Verordnung gibt es eine abschließende Auflistung aller erlaubten nährwertbezogenen Angaben und deren Verwendungsbedingungen.

Dort sind z.B. energiearm, fettarm und zuckerarm aufgeführt. Der Begriff Low Carb passt aber nicht unter diese Angaben, denn Low Carb sagt nichts über den Energie- oder Fettgehalt eines Lebensmittels aus. Im Gegenteil enthalten derartige Produkte häufig viel Fett und Eiweiß und haben damit sogar mehr Kalorien als ein vergleichbares Produkt. Auch zuckerarm passt nicht, denn Zucker ist nur eine Unterkategorie der Kohlenhydrate, so dass wenig Zucker aber dafür mehr andere Kohlenhydrate enthalten sein können.

Zulässig wäre die Angabe „reduzierter Kohlenhydrat-Anteil“. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die entsprechenden Verwendungsbestimmungen eingehalten werden.

Erlaubt wäre demnach die Angabe, der Gehalt an einem oder mehreren Nährstoffen sei reduziert worden, sowie jegliche Angabe, die für den Verbraucher voraussichtlich dieselbe Bedeutung hat, ist nur zulässig, wenn die Reduzierung des Anteils mindestens 30 %gegenüber einem vergleichbaren Produkt ausmacht.

Hier könnte sich also ein Ausweg zeigen, allerdings muss dann der Vergleich auch aus der Kennzeichnung ersichtlich sein und zutreffen. Diese Bedeutung von Low Carb ist sprachlich außerdem nicht zwingend, da „low“ für „wenig“ und nicht für „weniger“ steht. Hier müsste also eine Klarstellung erfolgen. Eine solche Kennzeichnung sollte nicht ohne anwaltliche Beratung erfolgen und es kann ein Restrisiko verbleiben.

Fazit und Rechtsprechung

Die Werbung mit Low Carb für Lebensmittel ist weitgehend unzulässig und sollte daher in aller Regel unterbleiben. Gegebenenfalls sollte die Verwendung mit einem auf Lebensmittelrecht spezialisierten Rechtsanwalt besprochen werden. Verstöße gegen die HCVO können sowohl zu wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen von Wettbewerbern oder Wettbewerbsverbänden, als auch zu behördlichen Maßnahmen führen.

OLG Hamburg, 15.06.2020 – 3 U 10/20

OLG Hamburg, 24.04.2014 – 3 W 27/14

Anwaltliche Beratung

Gerne berate ich Sie anwaltlich zur Health-Claims-Verordnung, der Verwendung von Low Carb, aber auch anderen lebensmittelrechtlichen Fragestellungen. Vorsicht ist dabei immer besser als Nachsicht, lassen Sie daher Ihre Produkte vor dem Markteintritt prüfen und vermeiden Sie Abmahnungen und behördliche Beanstandungen.

Auch wenn Sie sich anderweitig anwaltlich beraten lassen, achten Sie darauf, dass der Kollege Erfahrung im Lebensmittelrecht hat, da auf diesem für viele Kollegen unbekannten Rechtsgebiet bei nur oberflächlicher Beschäftigung schnell Fehler passieren. Ich stehe auch anderen Anwälten z.B. für eine gemeinsame Mandatsbearbeitung im Lebens- oder Futtermittelrecht zur Verfügung.

Kontakt: Rechtsanwalt Thiemo Wenck; wenck@rechtsanwalt-wenck.de; Tel. 015156068110 oder 04179 7509820.